Einfühung in Stahl-Futures

Diese Informationsseite zu Stahl-Futures soll Akteuren aus der Stahlbranche helfen, das Konzept „Future“ besser zu verstehen. Außerdem soll sie allen, die sich dafür interessieren, einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Risikomanagement geben. Steel Business Briefing steht in ständigem Kontakt mit allen wichtigen Marktakteuren. Wir sind der führende Anbieter von Informationen über Stahl-Futures.  

Der Handel mit Futures hat in vielen Branchen bereits eine lange Tradition, so beispielsweise bei Geschäften mit NE-Metallen. Für den Stahlsektor existieren bislang allerdings nur regional begrenzte Future-Kontrakte auf drei Finanzmärkten. In den kommenden zwölf Monaten sollen jedoch weitere folgen.

Stahl-Futures - Eine Bestandsaufnahme
Was sind Future-Kontrakte?
Was versteht man unter Hedging?
Seit wann gibt es Maßnahmen zum Risikomanagement?
Risikomanagement in der Stahlbranche - ein neuer Trend?
Welche Vorteile bieten Stahlfutures und welche Risiken bergen sie?

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Stahl-Futures - Eine Bestandsaufnahme  
Die London Metals Exchange (LME) hat im April 2008 zwei Stahl-Future-Kontrakte eingeführt, wobei zunächst einer den Asien-Pazifik-Raum und der zweite die Mittelmeerregion abdeckte. Im Juli 2010 wurden beide zu einem einzigen Futures-Kontrakt für Knüppel zusammengelegt. Unter www.lme.com finden Sie weitere Informationen.

Außerdem hat die New York Mercantile Exchange (NYMEX), eine Division der CME Group, im Oktober 2008 den Handel mit Futures auf Warmband aufgenommen. Die Abrechnung erfolgt auf der Grundlage eines Listenpreises aus dem Mittleren Westen der USA. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.shfe.com.cn.

Die Shanghai Futures Exchange hat im April 2009 Futures-Kontrakte für Betonstahl und Walzdraht aus China eingeführt. Näheres erfahren Sie unter: www.nymex.com

The Steel Index hat eine eigene Methode zur Ermittlung der Preise und der Berechnung der Referenzwerte entwickelt und bieten Ihnen dadurch jede Woche unabhängige, genaue und überprüfbare Referenzpreise. Diese können als Abrechnungsgrundlage für Stahl-Futures und andere Over-The-Counter (OTC) Produkte zur Absicherung von Preisrisiken herangezogen werden.   

The Steel Index ist ein Tochterunternehmen von Steel Business Briefing. Platts-Abonnenten erhalten einen Rabatt von 10% auf die wöchentlichen Referenzpreise. Hier können Sie Ihr kostenloses Probeabo bestellen.

 

Was sind Futures-Kontrakte?

Futures-Kontrakte dienen dem Risikomanagement: Mit ihnen sichern sich Unternehmen gegen Preisrisiken ab, indem sie beim Kauf oder Verkauf einer bestimmten Menge eines Produkts die Lieferung zu einem zukünftigen Datum bei heute gültigem Preis festlegen.

Jeder Markt zeichnet sich durch ihm eigene Risiken aus. Während manche Marktteilnehmer Risiken nach Möglichkeit vermeiden, haben andere ein besonderes Interesse an ebensolchen Risiken. Diese werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Schwankungen der Zinssätze, Währungskurse sowie die Fluktuation der Aktien- und Rohstoffpreise spielen dabei ebenso eine Rolle wie Energiekosten u.ä. Futures sind börsengehandelte Terminkontrakte, durch welche die von solchen Faktoren ausgehenden Risiken vermindert werden können. Außerdem werden von individuellen Unternehmen traditionell auch andere Werkzeuge im Risikomanagement eingesetzt, zum Beispiel nicht börsengehandelte Kontrakte (Forwards) oder Swaps.

 

 

Was versteht man unter Hedging?

Future-Kontrakte ermöglichen eine bessere Identifizierung der Preisrisiken. Gleichzeitig sind sie ein Mittel, um besagtes Preisrisiko zu minimieren. Viele Stahlhersteller betreiben bereits Hedging mit Währungen und Energieträgern, andere tun dies mit einem Teil oder allen der von ihnen benötigten Rohstoffe wie beispielsweise Zink, Zinn oder Nickel. Im Prinzip steht diese Möglichkeit allen Akteuren der Branche offen – Erzeugern genauso wie Händlern, Lagerhaltern und Endverbrauchern.

Hedging kann als „Ausschaltung eines gegebenen Risikos in einem Markt durch das freiwillige Eingehen eines ebenso großen, entgegengetzten Risikos in einem anderen Markt “ definiert werden.

 

Seit wann gibt es Instrumente zur Risikoabsicherung?

Die Menschheit sucht seit Tausenden von Jahren nach Mitteln und Wegen, um sich vor möglichen Risiken zu schützen. Im antiken Griechenland verkauften Bauern einen Teil ihrer Olivenernte zu einem Festpreis, der bereits Monate vor dem Einfahren der Ernte bestimmt wurde. So konnten sie das Risiko teilweise auf die Käufer umlegen. Im alten Rom existierte ein Terminmarkt für Getreide. Gegenstand von Termingeschäften können die unterschiedlichsten Produkte wie zum Beispiel Rohstoffe, Währungen, Indizes oder Wertpapiere sein. Allein in den USA ist der Markt für Futures innerhalb von zehn Jahren von 300 auf 600 Millionen Kontrakte gewachsen. Ein Kontrakt kann in verschiedenen Einheiten ausgegeben werden, z.B.: 25 t, 5.000 l usw.

 

Risikomanagement in der Stahlbranche – ein neuer Trend?

Neu sind Maßnahmen zur Risikobegrenzung zwar auch in der Stahlbranche nicht, das Angebot an Future-Kontrakten ist jedoch bislang begrenzt - sowohl was die Regionen als auch was die Produkte betrifft. Das Handelsvolumen ist in diesem Bereich daher bisher überschaubar.

In den Neunziger Jahren wurden in China eine Reihe von Kontrakten eingeführt. Es wurden damals sogar drei Handelsplätze eröffnet, an denen mit dem Stahlpreisrisiko gehandelt werden konnte. 1994 wurden jedoch alle drei aufgrund des mangelnden Marktinteresses geschlossen. Dies lag möglicherweise an einer unzureichenden Regulierung der Börsen, so dass sie mehr für Spekulationsgeschäfte als für das Risikomanagement genutzt wurden.

In Indien bieten momentan zwei Handelsplätze Future-Kontrakte auf Stahl an – MCX (auf Vorblöcke und Warmband) und NCDEX (ausschließlich auf Vorblöcke).

 

 

Welche Vorteile bieten Stahl-Futures und welche Risiken bergen sie?

Vorteile Risiken
Kontrolle des Preisrisikos
Preisrisiken können kontrolliert und idealerweise minimiert werden.

Referenzpreise
Transparente Preise dienen als Orientierung bei Preisverhandlungen mit Anbietern bzw. Abnehmern sowie bei Gesprächen mit anderen Parteien wie z.B. Gewerkschaften und Regierungsvertretern. Futures tragen zu einer größeren Preistransparenz bei. Da sie auf öffentlichen Märkten gehandelt werden, kann theoretisch kein einzelner Akteur Einfluss auf den Preis nehmen.

Erfahrungen in anderen Branchen (z.B. Erdöl und Aluminium) zeigen, dass zwischen den Spotpreisen verwandter Produkte ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Im Hinblick auf Stahlerzeugnisse könnte das bedeuten, dass ein Future-Kontrakt auf ein Produkt, beispielsweise Warmband, als Referenzpreis für andere Produkte wie Kaltband oder Brammen dienen kann und jeweils nur ein bestimmter Betrag hinzugerechnet oder abgezogen wird. Aus den gleichen Gründen könnte auch die Preisbestimmung von Rohstoffen erleichtert werden – Eisenerz-Kontrakte könnten beispielsweise an einer Börse die Warmbandpreise gekoppelt sein, wodurch die Gewinnspannen bewahrt würden.

Prognose-Tool
Futures können dabei helfen, objektivere Investitionsentscheidungen zu treffen. Wenn Hersteller eine genauere Vorstellung von ihren zukünftigen Einnahmen haben – beispielsweise für die nächsten fünf Jahre – können sie ihre Produktionskapazitäten besser vorausplanen. Dadurch ist die Liquidität besser vorhersagbar und die Kosten für Kredite verringern sich.

Geringere Kapitalkosten für die Hersteller
Banken verlangen höhere Zinssätze von Unternehmen, die in risikoreichen Branchen tätig sind. Kann nun ein Produzent nachweisen, dass sich sein Cashflowrisiko durch den Future-Handel verringert, werden Banken eher bereit sein, ihm günstigere Kredite einzuräumen bzw. ihm überhaupt einen Kredit zu gewähren. So könnten auch kleinere Unternehmen, die bislang nicht als kreditwürdig angesehen wurden, ein Darlehen zu erhalten. Der Handel mit Stahlfutures könnte sich daher positiv auf die gesamte Branche auswirken: Die Menge des zur Verfügung stehenden Kapitals könnte sich so erhöhen, gleichzeitig würden das Kapital günstiger werden, was die Profitabilität insgesamt erhöhen würde.

Konsolidierung des Marktes
In einigen Branchen hat die Einführung von Futureskontrakten eine stärkere Konsolidierung mit sich gebracht. Das liegt daran, dass sich der Risikofaktor Fertigungstiefe durch den offizielle Börsenpreis und ein Zuschlagssystem (z.B. für Kaltband auf Warmband) reduziert hat. Zudem ermöglicht es der transparente Handelspreis, das Risiko auf die gesamte Industrie umzulegen und so für den Einzelnen zu reduzieren. Wenn Stahl-Futures sich also am Markt durchsetzen, könnte dies die Spezialisierung einiger Unternehmen auf Knüppel oder Brammen mit sich bringen, während sich andere auf nachgelagerte Produktionsschritte konzentrieren. So können die Unternehmen in dem Bereich wachsen, in dem sie am besten sind.

Mangelnde Liquidität
Wenn die Futures-Kontrakte von zu wenigen Unternehmen genutzt werden, es dem System also an Liquidität und Akzeptanz fehlt, können sie nicht bestehen. Der Inventarwert der weltweiten Stahlindustrie ist jedoch enorm. Von Einigen wird er auf 440 Mrd. $ geschätzt, wohingegen der Marktwert der Basis- und Edelmetallbranche bei rund 130 Mrd. $ liegt. Außerdem machen Stahlhersteller Umsätze in schwindelerregenden Höhen – insgesamt zwischen 200 Mrd. $ und 300 Mrd. $ im Jahr. Es ist also wahrscheinlich, dass genügt Gelder in den Futures-Handel gelangen.

Spekulation
Problematisch wäre der Future-Handel dann, wenn zu wenige Stahlkonzerne sich daran beteiligen würden. Theoretisch könnten einzelne Händler in diesem Fall eine Monopolstellung erlangen. Allerdings ist dieses Szenario höchst unwahrscheinlich, solange die Ausgestaltung des Kontrakts dieser Tatsache Rechnung trägt und eine funktionierende Börsenaufsicht existiert.

Auseinanderdriften der Spotmarkt- und der Future-Preise
Dies wäre denkbar, wenn entweder Spekulanten am Markt aktiv sind oder die Liquidität zu gering ist. Die Existenz eines Marktmonopols könnte dazu führen, dass die Future-Preise steigen und sich vom Spotmarkt abkoppeln.



 

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